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CE-Level, Abriebfestigkeit und Materialien einfach erklärt

Was bedeuten CE-Level, Abriebfestigkeit und Materialien bei Motorradbekleidung? EN 17092, Protektoren Level 1 und 2, Leder, Cordura und Aramid erklärt.

moto-guide RedaktionAktualisiert am 19. Dez. 2025 · 6 Min. Lesezeit

Motorradkleidung ist persönliche Schutzausrüstung. Ihre Aufgabe ist klar: Sie soll deinen Körper bei einem Sturz so gut wie möglich vor Verletzungen bewahren. Dabei kommt es nicht nur auf die Protektoren an, sondern auf das Zusammenspiel von Material, Verarbeitung, Schnitt und Normen. Weil das selten verständlich erklärt wird, halten sich viele Missverständnisse. Hier erfährst du, was CE-Level, Abriebfestigkeit und Materialien wirklich bedeuten und wie Schutzkleidung technisch funktioniert.

Warum Protektoren allein nicht reichen

Bei Motorradunfällen entstehen viele Verletzungen, vor allem an der Haut, nicht beim ersten Aufprall, sondern beim Rutschen über den Asphalt danach. Dabei wirken große Reibungskräfte und viel Hitze auf die Kleidung. Gibt das Außenmaterial zu früh nach, liegt deine Haut direkt auf der Straße. Die Folge sind tiefe Schürfwunden und Verbrennungen.

Protektoren dämpfen die Wucht eines Aufpralls, gegen Abrieb helfen sie aber nicht. Schutzkleidung nur nach den Protektoren zu beurteilen, ergibt deshalb wenig Sinn. Es kommt immer auf die Kombination an: abriebfestes Außenmaterial, stabile Nähte und Protektoren, die an der richtigen Stelle sitzen.

Was die CE-Norm EN 17092 bedeutet

In Europa wird Motorradbekleidung nach der Norm EN 17092 geprüft. Bewertet wird dabei das ganze Kleidungsstück als Einheit, also nicht nur das Material, sondern auch die Verarbeitung, die Festigkeit der Nähte und die Position der Protektoren.

Die Norm kennt fünf Klassen: AAA, AA, A, B und C. B steht nur für Abriebschutz ohne Protektoren, C nur für Aufprallschutz (etwa eine Protektorenweste), A, AA und AAA für beides. Bei den kombinierten Klassen gilt: je mehr A, desto mehr hält das Produkt aus. CE-A ist die unterste Stufe mit dem höchsten Tragekomfort, CE-AA und CE-AAA stehen für deutlich höhere Abrieb- und Reißfestigkeit. Für den normalen Alltag auf der Straße ist CE-AA ein sinnvoller Standard, weil Schutz und Tragekomfort gut zusammenpassen.

Die CE-Zertifizierung ersetzt aber keine eigene Einschätzung des Risikos. Sie zeigt nur, dass ein Produkt festgelegte Mindestanforderungen im Labor erfüllt. Ein echter Unfall kann ganz anders ablaufen. Sieh die CE-Werte deshalb als Orientierung, nicht als Garantie. Wie gut die Kleidung bei einem Sturz schützt, hängt von vielen Faktoren ab. Das erklären wir an anderer Stelle noch ausführlich.

Was bei der CE-Prüfung getestet wird

Übersicht der verschiedenen SchutzklassenBei der Prüfung nach EN 17092 werden mehrere Eigenschaften getestet. Dazu gehört die Abriebfestigkeit: Gemessen wird, wie lange ein Stoff auf einer simulierten Asphaltoberfläche durchhält. Außerdem wird geprüft, wie viel Zug die Nähte aushalten, denn die werden bei einem Sturz stark belastet.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, ob die Protektoren an ihrem Platz bleiben. Sie müssen dort sitzen, wo sie hingehören, auch wenn die Kleidung beim Sturz verrutscht. Eine gute Passform ist also nicht nur eine Frage des Komforts, sondern auch der Sicherheit. In einem anderen Artikel erklären wir, was sich beim Kauf der Motorradausrüstung lohnt und was es zu beachten gilt.

CE-Level bei Protektoren: Level 1 und Level 2

Protektoren werden nach der Norm EN 1621 geprüft. Dabei wird gemessen, wie viel Kraft bei einem Aufprall durch den Protektor hindurch beim Körper ankommt. Gelenkprotektoren (EN 1621-1) dürfen für Level 1 im Mittel höchstens 35 kN durchlassen, Rückenprotektoren (EN 1621-2) höchstens 18 kN. Für Level 2 gelten deutlich strengere Grenzwerte, Level-2-Protektoren lassen also weniger Restkraft durch.

Level-2-Protektoren entlasten Knochen und Gelenke also deutlich stärker. Mit modernen Materialien geht das, ohne dass du dich spürbar schlechter bewegen kannst. Technisch haben Level-2-Protektoren deshalb klar die Nase vorn, vor allem an stark belasteten Stellen wie Schultern, Ellbogen, Knien und Rücken. Dafür sind sie meist auch etwas teurer als Level-1-Protektoren.

Abriebfestigkeit: der wichtigste Schutzfaktor

Abriebfestigkeit beschreibt, wie gut ein Material den Kontakt mit der Fahrbahn aushält. Beim Rutschen entstehen hohe Temperaturen und große mechanische Kräfte. Gibt das Material nach, kommt es schnell zu schweren Hautverletzungen.

Schon kleine Unterschiede in der Abriebdauer können viel ausmachen. Deshalb achten Hersteller bei der Entwicklung besonders auf die Zonen, die bei einem Sturz zuerst Bodenkontakt haben. Dort müssen die Abriebwerte deutlich höher sein als an Stellen, die selten betroffen sind.

Materialien und ihre Schutzwirkung

Leder gilt seit Jahrzehnten als Maßstab, weil es gleichmäßig aufgebaut und sehr abriebfest ist. Es schützt sehr gut, ist aber schwerer, schlechter belüftet und braucht mehr Pflege als Textil.

Textilkleidung kann ein ähnliches Schutzniveau erreichen, wenn hochwertige Materialien verwendet werden. Hochfeste Polyamide wie Cordura haben deutlich bessere Abrieb- und Reißwerte als einfache Stoffe. Allein reichen sie für mittlere Schutzklassen, mit zusätzlichen Verstärkungen auch für höhere.

Aramidfasern wie Kevlar oder Twaron halten sehr viel Hitze und Abrieb aus. Sie werden meist als zusätzliche Lage in den Sturzbereichen eingesetzt. Dort verbessern sie den Schutz deutlich, ohne den Tragekomfort stark zu beeinträchtigen.

Moderne Fasern wie UHMWPE, bekannt unter dem Markennamen Dyneema, sind sehr fest und dabei leicht. Vor allem bei Motorradjeans können sie sinnvoll sein. Wie gut sie am Ende schützen, hängt aber stark von der Verarbeitung und vom Anteil der Faser im Stoff ab.

Motorrad-Ausrüstung - Materialien - Proetkoren und Sicherheitsnähte im EinklangWarum es auf den Materialmix ankommt

Motorradkleidung muss ganz unterschiedliche Anforderungen erfüllen. In den Sturzbereichen braucht es maximale Abriebfestigkeit, an den Gelenken Bewegungsfreiheit, und bei Wärme muss Luft durchkommen. Mit einem einzigen Material lässt sich das nicht lösen.

Gute Schutzkleidung ist deshalb immer in Zonen aufgebaut. Jedes Material sitzt dort, wo seine Stärken gebraucht werden. Produkte mit ganz einfachem Aufbau schaffen diese Balance meist nicht und schützen entsprechend schlechter.

Warum die Nähte so wichtig sind

Nähte sind oft die Schwachstelle eines Kleidungsstücks. Auch das abriebfesteste Material bringt nichts, wenn die Naht aufgeht. Deshalb werden in den sicherheitsrelevanten Bereichen spezielle Nahtarten und sehr reißfeste Garne verwendet.

Doppelte oder überlappende Sicherheitsnähte machen die Kleidung deutlich stabiler. Als Käufer siehst du solche Details kaum, sie haben aber großen Einfluss auf den Schutz.

Belüftung und Sicherheit

Belüftung macht die Kleidung angenehmer, verringert aber oft die Abriebfestigkeit. Große Mesh-Einsätze schützen kaum, wenn du über den Asphalt rutschst. Solche Materialien gehören deshalb nie in die Bereiche, die bei einem Sturz zuerst aufschlagen.

Sinnvoll belüftet wird über gezielte Öffnungen, Luftkanäle und atmungsaktive Membranen. So bleibt die schützende Grundstruktur erhalten.

Fazit

Motorradkleidung schützt nur dann zuverlässig, wenn Material, Konstruktion und Normen zusammenpassen. CE-Level geben dir eine Orientierung. Sie ersetzen aber nicht das Wissen über Abriebfestigkeit, Materialqualität und Verarbeitung.

Wenn du diese Grundlagen kennst, kannst du Schutzkleidung besser einschätzen und gezielter auswählen. Das verhindert nicht jeden Unfall, senkt aber das Risiko schwerer Verletzungen deutlich.

Häufige Fragen

Welche CE-Klasse brauche ich für den Alltag auf der Straße?

CE-AA ist für den normalen Straßenbetrieb ein sinnvoller Standard, weil Schutz und Tragekomfort gut ausbalanciert sind. CE-A ist die unterste der kombinierten Klassen, CE-AAA die höchste. B und C decken nur Abrieb bzw. nur Aufprall ab.

Was ist der Unterschied zwischen Protektoren Level 1 und Level 2?

Beide werden nach EN 1621 geprüft. Level-2-Protektoren geben bei einem Aufprall weniger Restkraft an den Körper weiter und schützen Knochen und Gelenke deshalb besser.

Schützt Textil genauso gut wie Leder?

Textil kann ein ähnliches Schutzniveau erreichen, wenn hochwertige Materialien wie Cordura mit Verstärkungen, etwa aus Aramid, kombiniert werden. Leder gilt aber weiterhin als Referenz.

Sind Mesh-Jacken sicher?

Großflächige Mesh-Einsätze schützen kaum vor Abrieb. In den Sturzbereichen sollte deshalb immer abriebfestes Material sitzen.

Wenn du mehr zum Thema wissen möchtest, findest du hier weitere Quellen zum Nachlesen.

Quellen

Stand: September 2026. Regeln und Bußgelder können sich ändern.

#Abriebfestigkeit#CE-Level#Protektor#Schutzausrüstung
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