Einmal über die großen Alpenpässe mit dem Motorrad: Für viele ist das die schönste Tour überhaupt. Kehre an Kehre, dünne Luft, Schnee am Straßenrand im Juli. Damit die Tour nicht an einer Mautschranke, einer Sperrung oder einem Lärm-Fahrverbot endet, findest du hier die bekanntesten Pässe mit Höhe und Maut, die wichtigsten Regeln für 2026 und Tipps für das Fahren am Berg.
Die bekanntesten Alpenpässe im Überblick
| Pass | Land | Höhe | Maut Motorrad | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Stilfser Joch | Italien | 2.757 m | nein | 48 Kehren auf der Seite von Prad, an einzelnen Tagen für Motorfahrzeuge gesperrt |
| Col de l'Iseran | Frankreich | 2.764 m | nein | einer der höchsten asphaltierten Pässe der Alpen |
| Col du Galibier | Frankreich | 2.642 m | nein | oft Radsport-Sperrungen im Sommer |
| Gaviapass | Italien | 2.621 m | nein | sehr schmal, teils ohne Leitplanke |
| Großglockner Hochalpenstraße | Österreich | 2.504 m | ja, 36,50 € Tageskarte | Nachtfahrverbot außerhalb der Öffnungszeiten |
| Nufenenpass | Schweiz | 2.478 m | nein | höchster Straßenpass der Schweiz |
| Timmelsjoch | Österreich/Italien | 2.474 m | ja, 18 € einfach, 25 € hin und zurück | in der Regel 7 bis 20 Uhr geöffnet, Rückfahrt die ganze Saison gültig |
| Furkapass | Schweiz | 2.429 m | nein | Kombination mit Grimsel und Susten als Drei-Pässe-Tour |
| Sellajoch | Italien | 2.244 m | nein | Teil der Sella Ronda, an einzelnen Tagen gesperrt |
| Sustenpass | Schweiz | 2.224 m | nein | breit ausgebaut, viele Tunnel |
| Grimselpass | Schweiz | 2.164 m | nein | Stauseen am Weg |
| Grödner Joch | Italien | 2.121 m | nein | Kontingent im Testbetrieb ab September 2026, siehe unten |
| Gotthardpass | Schweiz | 2.106 m | nein | alte Tremola mit Kopfsteinpflaster |
| Silvretta Hochalpenstraße | Österreich | 2.032 m | ja | Bielerhöhe mit Stausee |
| Hahntennjoch | Österreich | 1.894 m | nein | 15. April bis 31. Oktober gesperrt für Motorräder über 95 dB Standgeräusch |
Die Mautpreise gelten für 2026. Die Vignetten für Österreich und die Schweiz gelten auf den Passstraßen nicht, dafür brauchst du sie auf den Autobahnen der Anreise.
Wann sind die Pässe offen?
Die hochalpinen Pässe sind im Winter gesperrt. Grob gilt: Die meisten Pässe über 2.000 Metern öffnen zwischen Ende April und Juni und schließen im Oktober oder beim ersten starken Schneefall. Das schwankt jedes Jahr. 2026 öffnete die Großglockner Hochalpenstraße am 25. April, das Timmelsjoch schon am 13. Mai.
Verlass dich deshalb nicht auf feste Termine, sondern schau vor der Abfahrt nach. Für die Schweiz zeigt das Pässe-Portal des TCS den aktuellen Stand von über 70 Pässen. Für Österreich und Italien informieren die Betreiber der Mautstraßen und die Automobilclubs.
Neue Regeln und Sperrungen 2026
Tirol: Lärm-Fahrverbot über 95 dB
Vom 15. April bis 31. Oktober dürfen Motorräder mit einem Standgeräusch über 95 dB(A) sechs Strecken im Außerfern nicht befahren, darunter das Hahntennjoch, die Lechtalstraße und das Tannheimer Tal. Den Wert findest du im Fahrzeugschein im Feld U.1. Die Strafe liegt bei etwa 220 €. Alle Details stehen in unserem Artikel zu Motorradfahren in Österreich.
Dolomiten: Kontingent am Grödner Joch
Am Grödner Joch in Südtirol läuft ab dem 1. September 2026 ein Testbetrieb: Die tägliche Zufahrt ist auf voraussichtlich 150 Fahrzeuge begrenzt, Motorräder, Autos und Busse zusammen. Freie Fahrt haben Anwohner und Gäste der Hotels und Restaurants am Pass. Alle anderen müssen vorab einen Parkplatz auf dem Joch reservieren. Läuft der Test gut, soll die Regel ab 2027 jedes Jahr etwa fünf Monate gelten, wahrscheinlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober. Im Gespräch ist, sie später auf Sella- und Pordoijoch und den Campolongo-Pass auszuweiten.
Autofreie Tage
Mehrere berühmte Pässe werden jedes Jahr an einzelnen Tagen für Motorfahrzeuge gesperrt, meist für Radveranstaltungen. 2026 waren das zum Beispiel das Stilfser Joch am 29. August, der Col du Galibier am 4. August und die Sella-Ronda-Pässe am 12. September. Die Termine für 2027 stehen meist im Frühjahr fest. Prüf sie, bevor du eine Tour um einen bestimmten Pass herum planst.
Schweiz: Postauto hat Vortritt
Auf Schweizer Bergpoststraßen, erkennbar an einem blauen Schild mit gelbem Posthorn, hat das Postauto Vortritt. Du musst den Anweisungen des Postauto-Fahrers folgen, vor Engstellen warten und notfalls zurücksetzen. Hörst du das typische Dreiklanghorn vor einer Kehre, halte dich rechts und lass Platz.
Fahren am Berg: darauf kommt es an
- Kehren: weit außen anfahren, langsam einlenken, Blick über die Schulter zum Ausgang. Wie das genau geht, liest du in unserem Artikel zur Kurventechnik.
- Bergab: Nutze die Motorbremse und schalte einen Gang tiefer. Wer lange bergab nur mit der Bremse fährt, riskiert heiße Bremsen und nachlassende Bremswirkung.
- Bergauf in Kehren: Lieber einen Gang zu niedrig als zu hoch. Ein wenig schleifende Kupplung und gleichmäßiges Gas machen das Motorrad in engen Spitzkehren ruhiger.
- Tunnel: Visier auf oder Sonnenblende hoch, bevor du hineinfährst. In schlecht beleuchteten Tunneln bist du sonst plötzlich fast blind.
- Andere Verkehrsteilnehmer: Rechne mit Radfahrern bergab in hohem Tempo, Wohnmobilen, die die Kehre ganz brauchen, und Kühen auf der Straße.
- Kälte und Wetter: Oben kann es auch im Sommer unter 5 °C haben. Eine Zwischenschicht und Regenkleidung gehören immer ins Gepäck. Gewitter ziehen am Nachmittag schnell auf, fahr die hohen Pässe deshalb lieber am Vormittag.
- Tanken: Tankstellen am Berg sind selten und teuer. Tank vor dem Anstieg voll.
Tourenideen
- Schweizer Drei-Pässe-Tour: Grimsel, Furka und Susten lassen sich an einem Tag als Runde fahren, mit dem Nufenen als Zugabe.
- Stilfser Joch und Gavia: von Bormio aus als Tagesrunde, beide sehr hoch, der Gavia ist schmal und anspruchsvoll.
- Großglockner: als Nord-Süd-Überquerung von Salzburg nach Kärnten, am besten früh am Morgen vor den Reisebussen.
- Dolomiten: Sella Ronda mit Sella-, Pordoi-, Campolongo- und Grödner Joch. Plane wegen des Kontingents am Grödner Joch ab 2027 mit Alternativen.
Für die Planung solcher Routen helfen dir spezielle Apps. Welche taugen, liest du in unserem Vergleich der besten Routenplaner für Motorradfahrer. Die Verkehrsregeln der Nachbarländer findest du in unseren Artikeln zur Schweiz, zu Italien und zu Frankreich.
Kurz zusammengefasst
Die großen Alpenpässe sind nicht nur Fahrspaß, sondern auch Planung: Öffnung und Wetter prüfen, Maut einplanen, Lärm-Fahrverbote in Tirol und das neue Kontingent am Grödner Joch kennen. Dazu kommen Motorbremse bergab, warme Kleidung und ein voller Tank. Dann bleibt die Passfahrt das, was sie sein soll: der Höhepunkt der Saison.
Häufige Fragen
Welcher ist der höchste Alpenpass mit dem Motorrad?
Zu den höchsten asphaltierten Pässen gehören der Col de l'Iseran in Frankreich mit 2.764 Metern und das Stilfser Joch in Italien mit 2.757 Metern.
Was kostet die Großglockner Hochalpenstraße mit dem Motorrad?
2026 kostet die Tageskarte für Motorräder 36,50 €, für E-Motorräder 32,50 €. Bei Einfahrt nach 18 Uhr sind es 30 €.
Wann öffnen die Alpenpässe?
Die meisten hohen Pässe öffnen zwischen Ende April und Juni und schließen im Oktober. Das hängt vom Schnee ab, prüf den aktuellen Stand vor der Fahrt.
Darf ich mit dem Motorrad noch über das Grödner Joch fahren?
Ja, aber ab September 2026 gilt im Testbetrieb ein Tageskontingent. Wer nicht am Pass wohnt oder übernachtet, muss vorab einen Parkplatz auf dem Joch reservieren. Ab 2027 soll das jährlich etwa von Mitte Mai bis Mitte Oktober gelten.
Welche Pässe sind in Tirol für laute Motorräder gesperrt?
Unter anderem das Hahntennjoch, die Lechtalstraße und die Tannheimer Straße, vom 15. April bis 31. Oktober für Motorräder mit mehr als 95 dB Standgeräusch.
Quellen
- Preise und Öffnungszeiten (Großglockner Hochalpenstraße)
- Mauttarife (Timmelsjoch Hochalpenstraße)
- Motorrad-Fahrverbot: Fragen und Antworten (Land Tirol)
- Sperre am Grödner Joch in Südtirol (Motorradonline)
- Alpenreise 2026: Sperrungen und Kontingente (Motorrad & Reisen)
- Welche Pässe sind offen? (TCS Pässe-Portal)
- Von Posthörnern und Bergpoststraßen (Bundesamt für Strassen ASTRA)
Stand: September 2026. Öffnungszeiten, Mautpreise und Sperrungen ändern sich jedes Jahr.