Auf dem Motorrad hast du keine Knautschzone. Deshalb entscheiden Tempo und Abstand oft darüber, ob aus einer brenzligen Situation ein Unfall wird. Die StVO regelt beides, aber meist über Grundsätze statt über feste Zahlen.
Angepasste Geschwindigkeit (§ 3 StVO)
Du darfst nur so schnell fahren, dass du dein Fahrzeug ständig beherrschst. Die Geschwindigkeit musst du an Straße, Verkehr, Sicht und Wetter anpassen. Ebenso zählen deine persönlichen Fähigkeiten sowie Fahrzeug und Ladung.
Ein Tempolimit-Schild nennt nur die Obergrenze. Ob 100 km/h in einer Kurve mit nassem Laub passen, entscheidest du.
Sichtfahrgebot
Du darfst nur so schnell fahren, dass du innerhalb der übersehbaren Strecke anhalten kannst. Hinter Kuppen, in Kurven und an Einfahrten gilt das besonders. Auf schmalen Fahrbahnen, auf denen Gegenverkehr gefährdet werden könnte, musst du sogar innerhalb der halben übersehbaren Strecke halten können.
Bei Nebel, Schneefall oder Regen mit weniger als 50 m Sichtweite sind höchstens 50 km/h erlaubt. Ist weniger geboten, fährst du langsamer.
Merke: Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist nie ein Anspruch. Maßgeblich ist, was du in der übersehbaren Strecke sicher stoppen kannst.
Höchstgeschwindigkeiten für Motorräder
- Innerorts: 50 km/h.
- Außerorts: 100 km/h für Kraftfahrzeuge bis 3,5 t, also auch für dein Motorrad.
- Mit Anhänger: außerorts 60 km/h, auf Autobahnen für Krafträder mit Anhänger ebenfalls 60 km/h.
- Autobahn ohne Anhänger: keine allgemeine Höchstgeschwindigkeit, aber die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h.
Die Richtgeschwindigkeit ist eine Empfehlung für Fahrzeuge bis 3,5 t, auch bei guten Bedingungen. Ein Schild mit Zeichen 274 geht ihr vor.
Autobahnen und Kraftfahrstraßen darfst du nur mit Fahrzeugen nutzen, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit über 60 km/h liegt (§ 18 Abs. 1 StVO). Bei Mopeds mit 45 km/h ist das nicht der Fall.
Abstand (§ 4 StVO)
Der Abstand zum Vordermann muss in der Regel so groß sein, dass du hinter ihm halten kannst, wenn er plötzlich bremst. Eine feste Meterzahl nennt das Gesetz dafür nicht. Nur für Lkw über 3,5 t und Busse gilt auf der Autobahn bei mehr als 50 km/h ein Mindestabstand von 50 m.
Als Faustregel nennt der ADAC “halber Tacho”: Bei 100 km/h sind es 50 m. Bei Regen oder schlechter Sicht empfiehlt er mehr, nämlich Abstand in Metern gleich Tempo in km/h.
Reaktionsweg, Bremsweg, Anhalteweg
Die Fahrschul-Faustformeln lauten:
- Reaktionsweg = Tempo : 10 x 3
- Bremsweg = (Tempo : 10) x (Tempo : 10)
- Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg
- Bei Gefahrbremsung halbiert sich der Bremsweg.
Beispiele:
| Tempo | Reaktionsweg | Bremsweg | Anhalteweg | Anhalteweg bei Gefahrbremsung |
|---|---|---|---|---|
| 50 km/h | 15 m | 25 m | 40 m | 27,5 m |
| 80 km/h | 24 m | 64 m | 88 m | 56 m |
| 100 km/h | 30 m | 100 m | 130 m | 80 m |
Doppeltes Tempo bedeutet vierfachen Bremsweg, aber nur doppelten Reaktionsweg.
Merke: Anhalteweg = Reaktionsweg + Bremsweg. Wer nur den Bremsweg einplant, bleibt bei 50 km/h rund 15 m zu kurz.
Nässe, Reifen und Beladung
Die Formeln gelten für normale Bedingungen. Auf nasser Straße wird der Anhalteweg länger, deshalb schreibt § 3 StVO die Anpassung an die Wetterverhältnisse vor. Reduziere das Tempo und vergrößere den Abstand deutlich.
Beladung verändert das Fahrverhalten. Die Maschine wird unhandlicher, Notbremsungen brauchen mehr Entschlossenheit. Schwere Teile gehören tief und nah an den Schwerpunkt. Reifendruck und Hinterradfederung passt du an die Zuladung an. Die maximale Zuladung nennt die Bedienungsanleitung deines Motorrads.
Häufige Fehler
- Das Tempolimit als Empfehlung für jede Situation verstehen.
- Beim Anhalteweg den Reaktionsweg vergessen.
- Bei Regen den gleichen Abstand wie bei Trockenheit halten.
- Beladung nicht beachten und mit vollem Gepäck wie solo fahren.
- Richtgeschwindigkeit mit verbindlicher Höchstgeschwindigkeit verwechseln.