Alle zwei Jahre muss dein Motorrad zur Hauptuntersuchung, umgangssprachlich „zum TÜV“. Wer vorbereitet hinfährt, ist meist in einer halben Stunde mit neuer Plakette wieder draußen. Wer es schleifen lässt, zahlt doppelt: für die Nachprüfung und im schlimmsten Fall ein Bußgeld. Hier liest du, wie die Motorrad-HU abläuft, was sie kostet, welche Mängel am häufigsten vorkommen und was passiert, wenn die Plakette abgelaufen ist.
Die Motorrad-HU auf einen Blick
| Thema | Regel |
|---|---|
| Intervall | alle 24 Monate, auch bei Neufahrzeugen |
| Kosten mit AU | etwa 75 bis 100 €, je nach Prüforganisation und Bundesland |
| Nachprüfung | innerhalb eines Monats, bis etwa 40 € |
| Mehr als 2 Monate überzogen | 15 € Verwarnungsgeld, rund 20 % Aufschlag für die erweiterte Prüfung |
| Mehr als 8 Monate überzogen | 60 € und 1 Punkt in Flensburg |
| Mindestprofil Reifen | 1,6 mm, bei Leichtkrafträdern 1,0 mm |
Wann ist die HU fällig?
Für Krafträder schreibt die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (Anlage VIII StVZO) eine Hauptuntersuchung alle 24 Monate vor. Wann es so weit ist, zeigt die Plakette auf dem hinteren Kennzeichen: In der Mitte steht das Jahr, der Monat ist der, der oben steht. Die Frist endet mit Ablauf dieses Monats. Steht oben die 4 und in der Mitte 27, musst du also bis Ende April 2027 vorgefahren sein.
Du darfst die HU auch früher machen. Die neue Frist zählt dann ab dem Monat der Untersuchung, die eingesparten Monate sind weg. Fährst du mit Saisonkennzeichen und fällt die HU in die Ruhezeit, holst du sie im ersten Monat der neuen Saison nach. Mehr dazu in unserem Artikel Saisonkennzeichen oder abmelden.
Was bei der Motorrad-HU geprüft wird
Laut ADAC schauen sich die Prüfer beim Motorrad vor allem diese Bereiche an:
- Papiere und Allgemeines: Fahrgestellnummer und Typschild passend zu den Papieren, Spiegel, Lenkschloss, Tacho, Kennzeichen.
- Licht und Elektrik: alle Leuchten, Kontrollleuchten, Bremslichtschalter, Hupe, Batterie, Kabelverlegung.
- Lenkung: leichtgängig ohne Rasten, Lenker und Griffe fest.
- Bremsen: Bauteile, Füllstand und Zustand der Bremsflüssigkeit, Leerweg und Reserve.
- Räder und Reifen: Profiltiefe, Größe laut Papieren oder Reifenfreigabe, Montage, Spur, Schäden.
- Antrieb und Fahrwerk: Kette und Kettenschutz, Federbein, Gabeldichtungen, Ständer, Tank und Leitungen, Dichtheit von Motor und Getriebe, Fußrasten, Sitzbank.
- Auspuff und Geräusch: dicht, fest und nicht auffällig zu laut.
Bei Motorrädern mit Verbrennungsmotor gehört die Abgasuntersuchung (AU) dazu. Lässt du sie vorher separat in einer Werkstatt machen, darf sie laut ADAC höchstens zwei Monate vor dem HU-Monat liegen.
Die häufigsten Mängel beim Motorrad
Am häufigsten fallen Motorräder laut ADAC bei Beleuchtung, Rahmen und Fahrgestell sowie bei Achsen, Rädern und Reifen auf. Typisch sind:
- defekte Glühlampen, etwa an Blinker, Rück- oder Kennzeichenleuchte
- nachgerüstete Leuchten oder Blinker ohne Zulassung
- abgefahrene Reifen oder eine Größe, die nicht in den Papieren steht
- ausgeschlagene Lager an Gabel, Schwinge oder Rädern
Das meiste davon siehst du selbst, wenn du dir eine Viertelstunde Zeit nimmst. Wie du Bremsen, Kette und Reifen prüfst, steht in unseren Anleitungen zu Bremsen, Kette und Reifen.
Vorbereitung: der 15-Minuten-Check vor dem Termin
- Licht: Abblend- und Fernlicht, Standlicht, Bremslicht mit Hand- und Fußbremse, alle vier Blinker, Warnblinker falls vorhanden, Kennzeichenleuchte.
- Hupe einmal drücken.
- Reifen: Profil an mehreren Stellen messen, auf Risse und Beulen achten, Luftdruck einstellen.
- Bremsen: Belagstärke ansehen, Füllstand der Bremsflüssigkeit prüfen, Bremshebel darf nicht bis zum Griff durchgehen.
- Kette: Durchhang nach Handbuch, sauber und geschmiert.
- Undichtigkeiten: Ölspuren an Motor, Gabel und Federbein suchen.
- Umbauten: Für nachgerüstete Teile wie Auspuff, Blinker, Spiegel oder Lenker die ABE, das Teilegutachten oder die Eintragung mitnehmen.
- Papiere: Zulassungsbescheinigung Teil I einpacken, bei anderen Reifen die Reifenfreigabe.
Durchgefallen: Mängelklassen und Nachprüfung
Die StVZO unterscheidet vier Stufen:
| Bewertung | Plakette | Was du tun musst |
|---|---|---|
| Geringe Mängel | ja | Mängel unverzüglich beheben, spätestens innerhalb eines Monats, keine Nachprüfung nötig |
| Erhebliche Mängel | nein | Mängel beheben und spätestens einen Monat nach der HU zur Nachprüfung |
| Gefährliche Mängel | nein | wie bei erheblichen Mängeln, das Motorrad ist eine unmittelbare Gefahr |
| Verkehrsunsicher | wird entfernt | Plakette wird entfernt, die Zulassungsbehörde wird informiert, so darf das Motorrad nicht weiter am Verkehr teilnehmen |
Verpasst du die Monatsfrist für die Nachprüfung, ist eine komplett neue HU fällig, mit voller Gebühr. Die Nachprüfung selbst kostet laut ADAC bis etwa 40 €.
Plakette abgelaufen: Was droht?
Eine überzogene HU fällt meist bei einer Polizeikontrolle auf. Laut ADAC (Stand Mai 2026) gilt für Motorräder:
- mehr als 2 Monate: 15 € Verwarnungsgeld
- 4 bis 8 Monate: 25 €
- mehr als 8 Monate: 60 € und 1 Punkt in Flensburg
Dazu kommt bei der HU selbst ein Aufschlag: Ist die Frist um mehr als zwei Monate überzogen, muss die Prüforganisation eine erweiterte Untersuchung machen und verlangt dafür etwa 20 % mehr. Eine abgelaufene Plakette lässt den Versicherungsschutz nicht automatisch entfallen. Ist der Unfall aber auf einen Mangel zurückzuführen, der bei der HU aufgefallen wäre, kann es mit der Versicherung Ärger geben.
Kurz zusammengefasst
Die Motorrad-HU ist alle 24 Monate fällig, kostet mit AU etwa 75 bis 100 € und dreht sich vor allem um Licht, Bremsen, Reifen, Fahrwerk und Geräusch. Mit einem kurzen Check vorab vermeidest du die meisten Mängel. Wer mehr als zwei Monate überzieht, zahlt Verwarnungsgeld und einen Aufschlag, ab acht Monaten gibt es einen Punkt.
Häufige Fragen
Wie oft muss ein Motorrad zur HU?
Alle 24 Monate, auch ein neu zugelassenes Motorrad. Das schreibt Anlage VIII der StVZO vor.
Was kostet die HU fürs Motorrad?
Mit Abgasuntersuchung etwa 75 bis 100 €, je nach Prüforganisation und Bundesland. Eine Nachprüfung kostet bis etwa 40 €.
Ab wann gibt es ein Bußgeld, wenn die Plakette abgelaufen ist?
Bei mehr als zwei Monaten 15 €, ab vier Monaten 25 € und ab mehr als acht Monaten 60 € plus einen Punkt.
Darf ich mit geringen Mängeln weiterfahren?
Ja. Bei geringen Mängeln bekommst du die Plakette, musst die Mängel aber unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats beheben.
Wie tief muss das Reifenprofil beim Motorrad sein?
Mindestens 1,6 mm, bei Leichtkrafträdern mindestens 1,0 mm. Für sicheres Fahren bei Nässe ist mehr Profil sinnvoll.
Quellen
- Anlage VIII StVZO: Untersuchung der Fahrzeuge (Bundesministerium der Justiz)
- Motorrad-HU: Kosten, Vorbereitung und Fristen (ADAC)
- TÜV überziehen: Diese Kosten drohen (ADAC)
- HU überzogen: Was passiert? (TÜV Rheinland)
Stand: Oktober 2026. Preise unterscheiden sich je nach Prüforganisation und können sich ändern.


