Auf jeder längeren Tour erwischt dich irgendwann der Regen. Das ist kein Grund zur Panik. Wer weiß, wie sich das Motorrad auf Nässe verhält, kommt sicher an. Motorrad fahren bei Regen heißt vor allem: vorausschauen, sanft bedienen und die gefährlichen Stellen kennen. Hier sind die wichtigsten Regeln, auch für Gewitter und starken Wind.
Die ersten Minuten sind die gefährlichsten
Wenn es nach einer Trockenphase zu regnen beginnt, mischt sich das Wasser mit Staub, Öl und Gummiabrieb auf dem Asphalt. Die Straße wird dann schmierig wie Seife. Erst nach einer Weile spült der Regen diesen Film weg. Fahr in dieser Phase besonders vorsichtig oder mach eine Pause, bis der erste Schauer durch ist.
Diese Stellen sind bei Nässe besonders glatt
- Fahrbahnmarkierungen, Zebrastreifen und aufgemalte Pfeile
- Kanaldeckel, Metallplatten und Schienen
- Bitumenstreifen, also die geflickten Fugen im Asphalt
- Kopfsteinpflaster
- nasses Laub und Dieselspuren, oft an Tankstellen und Kreisverkehren
Überfahr diese Stellen möglichst aufrecht, ohne zu bremsen, zu beschleunigen oder einzulenken. Schienen und Bitumenfugen kreuzt du in einem möglichst stumpfen Winkel. Ein Regenbogenschimmer auf der Straße zeigt Öl oder Diesel.
Bremsen und Kurven auf nasser Straße
Auf nassem Asphalt überträgt ein guter Reifen noch erstaunlich viel Kraft, solange du sanft bist. Alles, was abrupt passiert, wird gefährlich.
- Abstand verdoppeln: Der Bremsweg wird deutlich länger.
- Früher und weicher bremsen: Druck gefühlvoll aufbauen, nicht schlagartig greifen.
- Bremsen vor der Kurve abschließen: Erst verzögern, dann einlenken. In Schräglage hat das Vorderrad kaum Reserven.
- Weniger Schräglage: Langsamer in die Kurve, dafür runder und gleichmäßiger.
- Sanft am Gas: Ein höherer Gang und weiche Gasannahme verhindern, dass das Hinterrad durchdreht. Wenn vorhanden, stell den Regen-Fahrmodus ein.
- Locker bleiben: Arme entspannt, Knie am Tank. Wer sich verkrampft, überträgt jede Bewegung auf den Lenker.
Sehen und gesehen werden
Im Regen sehen dich andere noch schlechter als sonst. Helle oder reflektierende Kleidung hilft. Gegen das Beschlagen des Visiers helfen ein Pinlock-Einsatz und ein leicht geöffnetes Visier bei langsamer Fahrt. Halt dich von der Gischt großer Lkw fern. Dort siehst du wenig, und die Spurrillen sind oft voll Wasser. Achte bei tiefen Pfützen und Spurrillen auf Aquaplaning: Das Motorrad fühlt sich plötzlich leicht an. Dann nicht bremsen, sondern gerade halten und sanft vom Gas.
Gewitter: anhalten und Schutz suchen
Bei Gewitter, Hagel, Sturm oder sehr schlechter Sicht solltest du die Fahrt unterbrechen und erst weiterfahren, wenn es besser wird. Das rät auch der ADAC. Auf dem Motorrad bist du dem Blitz ausgesetzt, anders als im Auto.
- Such Schutz in einem Gebäude, einer Tankstelle oder notfalls im Auto eines anderen.
- Meide Anhöhen, freie Flächen, einzelne Bäume und Waldränder.
- Steig ab und halte Abstand zum Motorrad.
- Ist kein Schutz in der Nähe, geh in die Hocke, Füße eng zusammen, und mach dich möglichst klein.
Seitenwind und Böen
Starker Wind drückt das Motorrad aus der Spur, vor allem auf Brücken, an Waldschneisen und beim Überholen von Lkw. Reduzier das Tempo, halt den Oberkörper locker und lass das Motorrad unter dir arbeiten. Bei Seitenwind neigt sich das Motorrad leicht gegen den Wind. Das ist normal. Plane mehr seitlichen Abstand ein und rechne hinter Lücken mit der nächsten Böe.
Die richtige Kleidung
Nass und kalt heißt: müde und unkonzentriert. Eine gute Regenkombi oder eine wasserdichte Membran in Jacke und Hose ist deshalb Sicherheitsausrüstung. Dazu gehören wasserdichte Handschuhe oder Überzieher und Stiefel. Worauf du beim Kauf achten solltest, steht in Regenkombi fürs Motorrad.
Fazit
Regen ist beherrschbar. Abstand vergrößern, früher und weicher bremsen, Kurven runder fahren und die glatten Stellen meiden, dann kommst du sicher an. Nur bei Gewitter gilt: anhalten, Schutz suchen, abwarten.
Häufige Fragen
Wie viel länger ist der Bremsweg bei Nässe?
Das hängt von Reifen und Belag ab. Rechne mit einem deutlich längeren Bremsweg und verdopple deinen Sicherheitsabstand.
Was ist bei Regen auf dem Motorrad am gefährlichsten?
Die ersten Minuten nach Regenbeginn, Fahrbahnmarkierungen, Kanaldeckel, Bitumenstreifen, Laub und Dieselspuren. Dort so aufrecht wie möglich fahren.
Soll ich bei Gewitter weiterfahren?
Nein. Unterbrich die Fahrt, such Schutz in einem Gebäude, meide Anhöhen und Bäume und halte Abstand zum Motorrad.
Was tun gegen ein beschlagenes Visier?
Ein Pinlock-Einsatz verhindert das Beschlagen zuverlässig. Bei langsamer Fahrt hilft es, das Visier einen Spalt zu öffnen.
Quellen
- Motorrad fahren bei Wind, Regen oder Gewitter (ADAC)
- Fahren bei Regen und Nässe (Motorrad Online)
- Praxis: Fahren bei Nässe (Tourenfahrer)
Stand: September 2026.