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Notbremsung mit dem Motorrad: richtig bremsen mit ABS

Notbremsung mit dem Motorrad: wie du in zwei Stufen bremst, warum du die Kupplung ziehst, was ABS leistet und wie du die Gefahrenbremsung sicher übst.

moto-guide RedaktionAktualisiert am 28. Sept. 2026 · 4 Min. Lesezeit

Ein Auto biegt ohne zu schauen ab, ein Reh springt auf die Straße, das Stauende taucht hinter einer Kuppe auf. Dann zählt jeder Meter. Die Notbremsung mit dem Motorrad gehört zu den wichtigsten Fahrtechniken überhaupt, und gleichzeitig üben sie die wenigsten Fahrer nach der Prüfung noch. Hier erfährst du, wie eine Gefahrenbremsung funktioniert, was das ABS für dich tut und wie du sie trainierst.

Warum Motorradfahrer zu schwach bremsen

Unfallanalysen zeigen immer wieder dasselbe Muster: Viele Motorradfahrer bremsen im Ernstfall zu zaghaft oder zu spät. Die Angst vor dem blockierenden Vorderrad sitzt tief. Dabei steckt im Vorderrad der größte Teil der Bremskraft. Beim starken Bremsen verlagert sich das Gewicht nach vorn, das Vorderrad wird fest auf die Straße gedrückt und kann enorm viel Verzögerung übertragen.

So geht die Notbremsung: in zwei Stufen

Der ADAC empfiehlt eine zweistufige Bremsung. Das gilt für Motorräder mit und ohne ABS.

  1. Anbremsen: Zieh den Bremshebel zunächst kurz und nicht voll an. Dadurch taucht die Gabel ein und das Gewicht verlagert sich auf das Vorderrad.
  2. Voll bremsen: Unmittelbar danach steigerst du den Druck zügig bis zur Maximalverzögerung. Der ganze Aufbau dauert etwa eine halbe Sekunde.
  3. Kupplung ziehen: Gleichzeitig ziehst du die Kupplung voll. So stirbt der Motor nicht ab, und das Motorbremsmoment bringt das Hinterrad nicht aus dem Tritt.
  4. Hinterradbremse mitnutzen: Tritt die Fußbremse mit. Sie stabilisiert und verkürzt den Bremsweg etwas, auch wenn sie weniger Kraft überträgt.
  5. Blick nach vorn: Schau dorthin, wo du hinwillst, also in die Lücke oder den Ausweg, nicht auf das Hindernis. Arme locker, Knie am Tank.
Wichtig: Schlagartig in die Bremse zu greifen, ist der typische Fehler. Ohne ABS blockiert dann das Vorderrad, bevor die Last vorn angekommen ist. Mit ABS verschenkst du Bremsweg, weil das System früh regelt.

Was das ABS leistet und was nicht

ABS verhindert, dass die Räder beim Bremsen auf gerader Strecke blockieren. Du kannst also voll in die Bremse gehen und bleibst lenkfähig. Auf gerader Strecke bremst du mit ABS voll in den Regelbereich hinein: Du spürst ein Pulsieren im Hebel, und genau so soll es sein. Nicht lösen, weiter ziehen.

Klassisches ABS ist aber auf die Geradeausfahrt ausgelegt. In Schräglage hilft ein Kurven-ABS, das die Bremskraft an den Schräglagenwinkel anpasst. Ohne Kurven-ABS gilt: Motorrad möglichst aufrichten und dann voll bremsen. Physik hebelt keine Elektronik aus, auf Rollsplitt oder nassem Laub ist der Bremsweg immer länger.

Ohne ABS: Gratwanderung am Limit

Ältere Motorräder haben oft kein ABS. Dann musst du die Grenze selbst dosieren. Blockiert das Vorderrad, fallen die stabilisierenden Kräfte schlagartig weg. Lös die Bremse in diesem Fall sofort kurz und bremse wieder dosiert. Das klappt nur mit Übung. Für ein Motorrad ohne ABS ist ein regelmäßiges Bremstraining deshalb noch wichtiger.

Bremsen in der Kurve

Musst du in Schräglage bremsen, gilt: erst sanft bremsen und dabei das Motorrad aufrichten, dann mit zunehmender Aufrichtung stärker bremsen. Wer in Schräglage voll zupackt, riskiert ein wegrutschendes Vorderrad oder ein Aufstellmoment, das dich aus der Kurve trägt. Mehr zur Linie in Kurven steht in Kurventechnik und Linienwahl.

So übst du die Gefahrenbremsung

  • Leerer, sauberer Parkplatz, trockener Asphalt, gute Kleidung.
  • Mit 30 km/h anfangen, dann schrittweise auf 50 km/h steigern.
  • Einen Pylon oder eine Markierung als Bremspunkt wählen und den Bremsweg vergleichen.
  • Bei ABS: bewusst in den Regelbereich bremsen, damit du das Pulsieren kennst.
  • Jedes Frühjahr wiederholen, idealerweise in einem Fahrsicherheitstraining mit Trainer.

Eine gute Bremse ist die Voraussetzung. Wie du Beläge und Flüssigkeit prüfst, zeigt unser Artikel Motorradbremsen prüfen.

Fazit

Eine gute Notbremsung besteht aus zwei Stufen: kurz anbremsen, dann zügig voll bremsen, Kupplung ziehen, Blick nach vorn. Mit ABS bremst du auf der Geraden bis in den Regelbereich. Das Wissen allein reicht aber nicht. Im Ernstfall macht der Körper das, was er geübt hat, also üb es jede Saison.

Häufige Fragen

Soll ich bei einer Notbremsung die Kupplung ziehen?

Ja. Bei einer Vollbremsung ziehst du die Kupplung gleichzeitig voll. So stirbt der Motor nicht ab und das Motorbremsmoment stört das Hinterrad nicht.

Wie bremse ich mit ABS richtig?

Auf gerader Strecke kurz anbremsen und dann voll in den Regelbereich bremsen. Das Pulsieren im Hebel ist normal, nicht lösen.

Hilft ABS auch in der Kurve?

Nur ein Kurven-ABS passt die Bremskraft an die Schräglage an. Mit normalem ABS solltest du das Motorrad erst aufrichten und dann voll bremsen.

Wie oft sollte ich die Notbremsung üben?

Mindestens einmal pro Saison, am besten im Frühjahr. Ein Fahrsicherheitstraining mit Trainer bringt am meisten.

Quellen

Stand: September 2026. Dieser Artikel ersetzt kein praktisches Training.

#Bremsen#Fahrtechnik#Sicherheit
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