Füße und Knöchel werden bei Motorradunfällen sehr häufig verletzt. Trotzdem fahren viele mit Turnschuhen oder Wanderstiefeln. Ein guter Motorradstiefel schützt vor Abrieb, Quetschungen und dem gefürchteten Verdrehen des Knöchels. Hier erfährst du, wie du die Schutznorm EN 13634 liest, welche Stiefelart zu dir passt und woran du einen guten Stiefel erkennst.
Die Norm EN 13634: vier Ziffern auf dem Etikett
Motorradstiefel mit CE-Zertifizierung werden nach der Norm EN 13634 geprüft. Im Stiefel findest du ein Etikett mit einem Motorrad-Piktogramm und vier Ziffern. Jede steht für einen Prüfbereich und ist entweder 1 oder 2. Die 2 ist die höhere Stufe.
| Position | Prüfung | Was sie bedeutet |
|---|---|---|
| 1 | Höhe des Schafts | 1 = niedriger Stiefel, 2 = hoher Stiefel, der das Schienbein schützt |
| 2 | Abriebfestigkeit | wie lange das Material beim Rutschen auf Asphalt hält |
| 3 | Schnittfestigkeit | Widerstand gegen scharfe Kanten beim Aufprall |
| 4 | Quersteifigkeit | wie gut der Stiefel seitlichem Quetschen widersteht, etwa wenn das Motorrad auf dem Fuß liegt |
Ein Etikett mit „2 2 2 2“ ist also die höchste Schutzstufe in allen Bereichen. Ein Stadtschuh mit „1 1 1 1“ bietet einen Grundschutz. Zusätzlich kann ein „WR“ für Wasserdichtigkeit auf dem Etikett stehen. Stiefel ohne CE-Kennzeichnung sind keine geprüfte Schutzausrüstung, auch wenn sie so aussehen.
Welche Stiefelart passt zu dir?
- Sportstiefel: hoch, steif, mit Knöchelschutz und oft einem Gelenksystem gegen Verdrehen. Maximaler Schutz, aber zum Laufen unbequem.
- Tourenstiefel: hoch, meist mit Membran, bequemer zum Gehen. Der Allrounder für Touren und Reisen.
- Adventure- und Endurostiefel: robust, mit hohem Schaft und grober Sohle, gut für Schotter und Wandern am Rastplatz.
- Kurze Stiefel und Motorradsneaker: für Stadt und kurze Strecken. Knöchelschutz ja, Schienbeinschutz nein.
Für Einsteiger und Tourenfahrer ist ein hoher Tourenstiefel mit Stufe 2 in möglichst vielen Bereichen die sicherste Wahl.
Worauf du beim Anprobieren achtest
- Anprobe am Nachmittag, wenn die Füße etwas dicker sind, und mit den Socken, die du beim Fahren trägst.
- Die Ferse darf beim Gehen nicht hochrutschen, die Zehen stoßen vorn nicht an.
- Der Knöchel sitzt genau in der Knöchelschale.
- Die Hose passt über oder in den Schaft, ohne zu drücken.
- Setz dich auf ein Motorrad: Kommst du gut an den Schalthebel, spürst du die Fußbremse?
- Die Sohle ist rutschfest und öl- und benzinbeständig, damit du an der Ampel sicher stehst.
Wasserdicht oder luftig?
Eine Membran hält bei Regen die Füße trocken, im Hochsommer werden die Füße aber schneller warm. Wenn du viel reist, ist ein wasserdichter Tourenstiefel meist die bessere Wahl. Für heiße Länder gibt es luftige Modelle mit Mesh-Einsätzen, dann brauchst du bei Regen Überzieher.
Pflege und Lebensdauer
Lederstiefel reinigst du mit einem feuchten Tuch und pflegst sie regelmäßig mit Lederfett oder Wachs. Nasse Stiefel nie auf die Heizung stellen, sondern mit Zeitungspapier ausstopfen und langsam trocknen lassen. Nach einem Sturz prüfst du Schalen, Nähte und Verschlüsse genau. Sind Schutzteile gebrochen, gehört der Stiefel ersetzt.
Wie die übrige Schutzkleidung geprüft wird, erklären wir in A, AA und AAA bei Motorradbekleidung.
Fazit
Ein guter Motorradstiefel ist CE-zertifiziert nach EN 13634, möglichst hoch und in vielen Bereichen Stufe 2. Er passt eng an Ferse und Knöchel, ohne zu drücken, und hat eine rutschfeste Sohle. Turnschuhe und Wanderstiefel sind kein Ersatz, auch nicht auf kurzen Strecken.
Häufige Fragen
Was bedeuten die Zahlen auf dem Motorradstiefel?
Die vier Ziffern der Norm EN 13634 stehen für Schafthöhe, Abriebfestigkeit, Schnittfestigkeit und Quersteifigkeit. Jede ist 1 oder 2, die 2 ist die höhere Stufe.
Reichen Wanderschuhe zum Motorradfahren?
Nein. Sie haben keinen geprüften Knöchel- und Quetschschutz, und die Schnürsenkel können sich in Schalthebel oder Kette verfangen.
Sind kurze Motorradstiefel sicher?
Sie schützen Fuß und Knöchel, aber nicht das Schienbein. Für die Stadt sind sie ein guter Kompromiss, für Landstraße und Touren sind hohe Stiefel sicherer.
Wie lange hält ein Motorradstiefel?
Bei guter Pflege viele Jahre. Nach einem Sturz oder bei gebrochenen Schutzteilen solltest du ihn ersetzen.
Quellen
- EN 13634:2017, Protective footwear for motorcycle riders (SATRA, englisch)
- How does certification for motorcycle boots work (Dainese, englisch)
- What is EN 13634 in motorcycle boots (Moto Central, englisch)
Stand: September 2026.